Der Punkroman!!! (von Recke)
Terror wegen Terrorgruppe
Ich bin ein kleiner Angestellter in einem Großbetrieb. So ganz
normale Arbeitstage kennen wahrscheinlich die meisten von Euch , auch ich.
Von einem nicht ganz so normalen möchte ich Euch jetzt erzählen
...
Ich heiße Gregor und bin in einer großen Chemiebude namens
"Profi Krutz" beschäftigt. Wenn man mich fragt, was ich dort mache,
erzähle ich entweder ich sei Logistikfachkraft oder dass ich Lagerarbeiter
sei, was eigentlich dasselbe ist. Ich bin nur ein kleiner Arsch unter vielen
Ärschen. Die Arbeit sehe ich als notwendiges
Übel, wie Schwiegereltern, WC’s, Polizei, Geld und so - eigentlich
könnte man auch ohne sie Leben und ob man sie unbedingt braucht ist
auch nicht immer ganz klar.
Heute begann ich meinen Arbeitstag gegen 7.15 Uhr und suchte erst mal
Countryboy, einen der Kollegen, denen man nicht gleich die Fresse einschlagen
möchte.
Bei uns im Betrieb gibt es Festangestellte, wie mich, Aushilfen, wie
Countryboy, und Leiharbeitnehmer, wie Bnahily, welche sich durch schlechte
Leistung und alberne
Bezahlung zu Menschen der traurigen Art machen.
Wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen, dass ich solche Typen auch weiterverborgen
würde, die wären im Stande, jede Firma in den Ruin zu treiben.
Mit Countryboy ging ich erst mal im Treppenhaus eine rauchen, wobei
wir auch über den letzten Tag sprachen. "Nachdem du gestern weg warst,
hat sich Steffi wieder
bei mir über dich ausgekotzt, wie du so früh abhauen kannst,
wenn so viel zu tun ist und was für geschmacklose Klamotten du wieder
getragen hast.. ."
"So ist das wenn man Frühdienst hat, dann geht man halt um 15.30
Uhr, die soll bloß ihre Schnauze halten, wenn ich erst zur Mittagspause
hier antanze, ist doch klar
dass ich dann bis zum Schluss arbeiten muss, um auf meine Stunden zu
kommen."
Es war schon ermüdend, jeden Tag die gleiche Scheiße hören
zu müssen. Dann erzählte er mir noch was ich gestern bei den
SIMPSONS verpasst hätte und setzte dazu
sein Homergrinsen auf, für dass ich den Kerl einfach lieben musste.
"Rudie kann seine Heroinabhängigkeit auch nicht ewig vor uns verbergen"
sagte er mit seinem Homergrinsen und auch ich lachte so gut es so früh
morgens möglich ist.
Rudie ist ca. 56 Jahre mit einer 4 m² großen Brille und
tellergroßen, schwammigen Händen, die er jedem Pechvogel morgens
entgegenstreckt und "MORGEN" blökt .
Er arbeitet seit kurz nach der Wende hier, also 7 Jahre und hat eine
alte Frau und ein altes Häuschen in Kleinmachnow, ein alter Spießer,
der, wenn er das Wort
"Ficken" hört rot wird und vielleicht ein Trottel ist, aber Drogen?
Der hält wahrscheinlich BASF für eine Droge! Absurd, köstlich!
Für solche Scherze liebte ich den
Countryboy, den ich so nannte, weil er diese Musik hörte und auch
sonst ziemlich westernmäßig aussah. Dafür nannte er mich
Anarchopunk, was ich zwar nicht war, aber ich kam seinem Bild eines solchen
wohl ziemlich nahe. Richtig blöde wurde es nur, wenn er mich bei einer
Abteilungsversammlung vor unserer Geschäftsleitung fragte, was ich
als Anarchopunk von der neuen Arbeitszeitregelung halten würde.
Nachdem wir aufgeraucht hatten, gingen wir in unseren Bereich, um uns
den angefallenen Aufgaben zu widmen. Nach und nach kamen die anderen Kollegen
und
machten sich an die Arbeit. In der Frühstückspause gab es
wieder blöde Diskussionen, ob noch mehr Ausländer eingestellt
werden sollten und ob die etwa so viel Geld
wie die Deutschen verdienen dürften. Wie oft hab ich mir den Mund
fusselig geredet, doch außer Unverständnis für meine Ansichten
war nichts drin. Ich war resigniert
und hielt mich raus, das war kein Gespräch sondern rumwichserei.
Der Vormittag verging und Countryboy versuchte mal wieder mit dem Mittagessen
fertig zu werden,
bevor die Pause begann.
Nach der Mittagspause saß ich im Büro, wo wir auch ein Telefon
hatten, um mal bei der Terrorgruppe anzurufen. Ich wusste von der neuen
CD und wollte welche
kaufen. Da wir uns etwas kannten war das an sich auch kein Problem.
Neben mir war noch Frau Manske im Büro, eine fette, übelriechende
Frau, die nett ist, aber immer und als einziger über ihre Witze lacht.
Sie hatte den lästigen Drang
jeden Menschen mit ihrem unwichtigen Scheißdreck voll zu quatschen,
egal ob es um ihre Katzen ging oder ihren Exfreund, der mich auch nicht
weiter interessiert.
Unser Vorarbeiter, Herr Blum, turnte irgendwo durchs Haus und hinterließ
entweder schlechte Laune oder Scherze auf seine Kosten. Frau Manske machte
einen Wichtigen hinter Ihrem Bildschirm, vor ihrer Tastatur lagen Schokoriegel,
Bonbons und ein Pappteller mit einem angefressenen Schnitzel, neben dem
Monitor stand ein Diätdrinkbecher.
Ich war froh, dass sie mich nicht mit ihrer Diät oder irgendwelchen
Wolfgang Petry Geschichten belästigte. Sie hatte mir schon oft davon
erzählt, wie süß der ist, was
auf seinem letzten Konzert für ein Feeling rüberkam und dass
sie ihn mal am Alexanderplatz getroffen hat. Mich würde bloß
mal interessieren, was Wolle Petry dachte,
als sie ihn angesprochen hat.
"Scheiße, die frisst mich gleich auf " oder" Bei der nächsten
Tour zahlen die Leute nach Gewicht Eintritt" oder "Bevor ich mit der ficke,
fress` ich meinen scheiß
hässlichen Schnurrbart und werde Toilettenonkel!"
"Ich griff also zum Hörer und hatte Muttie am Apparat."Hallo Mutti,
wie geht’s Vati? Hier ist Gregor ... ja ... ist jemand von der Terrorgruppe
da? ... Ja, ich brauch dringend neues Zeug, auch Sachen aus dem Keller
... klar ist das dringend, ist ja nicht nur für mich ... ich ruf später
noch mal an um ein Treffen zu vereinbaren, sag bescheid, dass ich angerufen
habe ... ja, tschüß." Als ich aufstand um rauszugehen, sah ich,
dass Frau Manske ziemlich entsetzt und fassungslos mit ihrem Bountyriegel
hantierte. Grinsend drehte ich mich weg und verließ das Büro,
was ich im Laufe des Tages noch bitter bereuen sollte.
Hätte ich geahnt, was sich noch alles abspielen würde, hätte
ich ihr erzählt, dass die Terrorgruppe gute Musiker sind und Musik
machen, die nicht jedem gefällt, dass sie
relativ idiotische Zeitgenossen sind, welche ziemlich unangenehm riechen
und manchmal ein bisschen verrückt sind , Punker halt .
Das alles hätte ich ihr unaufgefordert erzählt, wenn ich
geahnt hätte, was noch alles auf mich zukommen sollte, das könnt
ihr mir glauben ...
In meinem Bereich angekommen, schaute ich mir erst mal die Auftragslage
an.Ich sah, dass nur noch wenige Lieferscheine auf dem Tisch lagen und
entschied, neue
auszudrucken. Der Bildschirmschoner zeigte den tanzenden Schriftzug
"Pausenzeiten sind einzuhalten" nicht sehr originell von oben, da fand
ich die von der Belegschaft
entworfenen schon besser : "Wann gibt’s mehr Geld" oder "Wir sind auch
nur Menschen" oder "Ich will die 3-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich".
Diese wurden von der Geschäftsleitung gelöscht und wir bekamen
wöchentlich neue Durchhalteparolen auf den tanzenden Bildschirm, letztens
stand dort "Mit Ihrer Hilfe zu einem fehlerfreien Produktionsablauf !".
Kein Wunder, dass ein Großteil der Belegschaft zu rechtsdenkenden
Schwachköpfen mutiert, bekehren lassen die sich auch nicht mehr. Man
wird nur blöde angemacht, wenn man seine Meinung äußert.
Ich schlug mit der Fast auf den Tisch, die Maus registrierte, dass
jemand was will und zeigte mir das Menü. Mit wenig Mühe fand
ich in mein Programm und befahl
dem Drucker Lieferscheine auszuspucken. Ein Blick ins Büro zeigte
mir, dass Frau Manske telefonierte, was bei ihr nichts besonderes ist.
Wenn sie nicht den
Kantinenplan für die nächsten Wochen auf dem Monitor hat
oder jemanden vollsülzt, ist sie entweder im Urlaub oder krank. Trotzdem
wirkte sie ziemlich aufgeregt und
ich fragte mich, ob sie vergessen hatte, sich in der Kantine einen
Nachschlag zu holen bevor sie schloss oder ob sie aus versehen in der Zeitung
geblättert hat und ohne
es zu wollen im Beilagenteil den neuen Reicheltprospekt vor sich hatte
und sah, dass dort Superdickmanns zum halben Preis verkauft werden, solange
der Vorrat reicht
natürlich. In dem Fall hätte sie sich aber mit irgend einer
plumpen Ausrede von der Arbeit befreit und hätte die nächste
Reicheltkaufhalle gestürmt, so viel ist sicher!
Countryboy kam zu mir und erzählte, dass er Rudie, der mit den
Schwammhänden, ein Papierflugzeug an den Kopf geworfen und sich dann
bei den Technikern
versteckt hatte.
Um 14.43 Uhr kam Steffi um die Ecke, vermutlich ausgeschlafen. Mit
einer Tüte unterm Arm und einem flüchtigen "Tag" verschwand sie
bei den Kleiderschränken, wo
sie sich die nächsten 20 Minuten umziehen und zurechtmachen würde.
Nicht dass das etwas brachte, sie sah immer wie Iggy Pop in seiner schlimmsten
Phase aus, egal ob mit Kittel und Haarspray oder ohne.
In diesem Augenblick kam Herr Blum, der Vorarbeiter, um die Ecke und
fragte uns, warum wir hier rumstehen, ob wir nichts zu tun hätten
und das Privatgespräche in
den Pausen geführt werden sollen. Ich sagte darauf, dass wir immer
zu tun hätten und wichtige Arbeitsabläufe durchsprechen, ein
Standardsatz, den ich aufsagen kann,
ohne das Gefühl zu haben, mich zu rechtfertigen. Motivation ist
eine Sache, die man durch eine gute Bezahlung erkaufen kann oder die man
durch eine gute Behandlung
der Mitarbeiter erreicht, beides wird in meiner Firma unterlassen.
Herr Blum maß mich in diesem Moment mit einem Blick, den ich
nicht recht deuten konnte, etwas zu lange und verwirrt, als wäre ich
ein hässliches Insekt aus dem
Weltraum, das man beim Kacken auf den Fliesen an der Wand entdeckt.
Ich fragte mich, ob er gleich mit einem Schuh auf mich einschlagen würde
oder mich in einem
Karton in ein Labor bringen wollte.
Ein Gewitter zog auf und mit ihm setzte ein sintflutartiger Regen ein,
der noch bis tief in die Nacht anhalten sollte. Ich entschied, meine Autoschlüssel
zu holen, um das
Schiebedach zu schließen, dass ich bei diesen Temperaturen immer
offen ließ. Dieser Sommer hatte es echt in sich, nicht nur Bauern
und Gärtnern kam der Regen
gelegen, so hatte ich doch ein gutes Argument heute nach der Arbeit
nicht mit meiner Freundin Baden fahren zu müssen.
Ich wollte gerade noch einen nicht allzu üppigen Auftrag zu Ende
bearbeiten, als ich hinter mir schnelle Schritte hörte. Wurde der
Countryboy bei einem seiner Späße
erwischt und war nun auf der Flucht? Das waren mindestens 7 Paar Füße,
die dort durch die Gegend rannten, was ist das bloß für ein
Kingergarten, fragte ich mich, als
mich ein mieser Faustschlag zwischen die Schulterblätter keuchend
nach vorne kippen ließ. So große Feinde hatte ich in der Firma
auch nicht, dass man während der
Arbeit mit solchen Attacken rechnen musste, wäre ja noch schöner.
Ich wurde grob herumgerissen und fing mir einen nicht weniger heftigen
Fausthieb gegen die rechte
Schläfe ein, der mich besinnungslos zu Boden gehen lies. Dort
erwarteten mich unzählige Fußtritte, bei denen ich mir nach
kurzer Zeit nicht mehr die Mühe machte, sie
abzuwehren. Aus einem langsam zuschwellenden Auge sah ich, dass die
Angreifer keine gestörten Rechtsradikalen waren, sondern Polizeibeamte
bei ihrer
Lieblingsbeschäftigung. Ich fragte mich, ob das hier die neue
Version des Arbeitsgerichts sei, erst die Strafe dann die Verhandlung,
oder ob hier eine neue Episode von
"Verstehen Sie Spaß?" gedreht wird und gleich Kurt Felix mit
der Kamera auf der Schulter um die Ecke kommt. Er kam nicht, auch riss
sich keiner der Polizisten den
Schnauzer ab, um sich als Paola zu entpuppen, die mir zuzwinkert und
mich fragt, ob ich noch jemanden grüßen möchte, irgendwie
schade.
Ich wurde grob auf die Füße gerissen und stand wie ein Fragezeichen
in einem Kreis von Uniformierten. Im Hintergrund waren weitere Polizisten,
schwer bewaffnet
mit entschlossenen Gesichtern und ich muss gestehen, dass ich mich
ziemlich unwohl fühlte.
"Guten Tag, was kann ich für Sie tun?" fragte ich, um der Situation
die Spannung zu nehmen, wofür ich einen Tritt in den Magen kassierte,
der mich gleich wieder zu
Boden gehen lies. "Komm uns bloß nicht so du Terrorist, wir können
auch anders," maulte einer der wahrscheinlich den Oberhäuptling spielen
durfte. Wie denn noch
fragte ich mich, werde ich gleich hier erschossen oder kriege ich erst
eine Kugel ins Knie? Ich sagte erst mal gar nichts und versuchte wieder
normal atmen zu können.
Wieder ging`s auf die Füße und ich sah, dass man meine Kollegen
nicht zu dicht an mich ran kommen ließ, war mir auch ganz recht so,
Gaffer konnte ich noch nie
leiden.
Für die Kollegen war es eine willkommene Abwechslung, der Arsch
kriegt jetzt endlich mal seine Packung. Solche Actioneinlagen sind für
Zuschauer sicher geil, wie
auf der Autobahn, wenn man nach stundenlangem Geradeausfahren mal rechts
ein paar Leichen und Verletzte in einem brennenden Autowrack sieht, bloß
für die
Betroffenen ist das nicht ganz so lustig. "Wat’n hier los?" blökte
eine irritierte Steffi, die mit einem Käsebrötchen in der Hand
von den Garderobenschränken kam.
"Nichts, alles ist unter Kontrolle" erwiderte ein Beamter und schob
Miss Iggy Pop aus dem Gang. Für so eine blöde Frage hätten
sie ruhig auch ein bisschen auf sie
einschlagen können, dachte ich mir und musste grinsen. "Ach der
Herr findet das Ganze hier lustig?" belehrte mich der Schlauberger der
Truppe und streckte
kampfbereit sein Kinn vor, er sah blöd aus.
"Das Lachen wird dir noch vergehen, wir sind ja nicht zum Spaß
hier. Du wirst reden, verlass dich drauf." Aha, da hat wohl jemand was
falsch verstanden, dachte ich
mir, und ich darf mal wieder die Blödheit anderer Leute ausbaden,
na ja, das hatten wir ja schon öfter, bloß war es nie so schlimm
wie heute. "Wo ist sein Schrank?"
wollte der Oberhäuptling wissen und Herr Blum kam sofort angewieselt,
um den Herrschaften den Weg zu meinen Klamotten zu zeigen. "Ganz geheuer
war er mir
noch nie, Herr Kommissar, ich hoffe, ich habe nicht zu spät reagiert!"
"Das wird sich zeigen" brummte der Mann und warf den kompletten Inhalt
meines Schranks auf
den Boden, rührte ein paar mal mit dem Fuß darin herum und
trat mit dem Hacken kräftig auf meinen Walkman.
Dann machte er sich über meine Jacke her, sie war schon ziemlich
alt und ziemlich oft gewaschen worden, das Gewebe war nicht mehr das stabilste
und so war es für
den Kerl kein Problem den rechten Ärmel abzureißen. "Du
scheiß Nazibulle!" entfuhr es mir, ich liebte diese alte Jacke! Spätestens
als der Gewehrkolben, der mir ins
Gesicht knallte, die linke Augenbraue platzen ließ, bereute ich
meinen Ausruf. Einen Tritt in den Magen sah ich kommen, spannte die Bauchmuskeln
an, konnte den
kommenden Schmerz aber nicht mehr verhindern.
In der Chemie trägt jeder Sicherheitsschuhe mit Stahlkappen, auch
ich, und ein Tritt in die Eier des Wüterichs, der meine Jacke ruiniert
hatte konnte ich mir in diesem
Moment nicht verkneifen. Der Kerl ging wimmernd in die Knie und mein
nächster Tritt sollte seinen Zahnarzt glücklich machen, leider
kam ich nicht mehr dazu, da ich
zurückgerissen und grob auf den Boden geschleudert wurde. Ich
wurde mit Tritten und Stockhieben so heftig bearbeitet, dass ich zwischendurch
richtig Angst um mein
Leben hatte. Nachdem ich die Quittung erhalten hatte, wusste ich nicht
mehr ob ich mich darüber freuen sollte noch am Leben zu sein. Ich
fühlte mich miserabel und
war nur froh, dass ich ganz gut was wegstecken konnte. Einer drehte
mir die Arme auf den Rücken und ich hörte die Handschellen einrasten,
für meinen Geschmack vier Zähne zu fest, aber sie wollten
mir ja auch keine Freude machen.
Da lernen die 3 Jahre während der Ausbildung Handschellen anlegen
und trotzdem kann das meine Freundin besser als diese Mistkerle, dachte
ich mir. "Du kommst
jetzt erst mal mit auf die Wache, da ist es gemütlicher als hier.".
Noch gemütlicher, dachte ich, habt ihr da Axtstiele, Kettensägen
und Zahnarztbohrer? Das linke Auge
konnte ich vergessen, das Blut verklebte mir die Lider und das Rechte
war schon ziemlich weit zugeschwollen. Sie schleiften mich durch die Gänge
meiner Firma und
als wir an den Stechuhren vorbeikamen, überlegte ich, ob ich darum
bitten sollte, meine Karte durchzuziehen, in Anbetracht meiner Gesundheit
hielt ich es dann aber
doch nicht für nötig, schließlich hätte ich gerne
auf die letzte halbe Stunde verzichtet und bis 17.30 gearbeitet, das wäre
die bessere Alternative gewesen.
Es regnete noch immer, als ich mit Routine in den Wagen geworfen wurde.
Mir viel auf, dass ich noch nichts gefragt worden bin, noch nicht einmal
nach meinem Namen. Ein Grinsen machte sich so gut es ging in meinem Gesicht
breit als ich mir
vorstellte, wie sie vielleicht einen anderen Kollegen in meinem Alter
so behandelt hätten und dann merkten, dass es eine Verwechslung war.
"Du bist vielleicht `ne
Frohnatur, aber das treiben wir dir aus, das schwör ich dir!"
So sah der Typ auch aus, der mir in dem Wagen gegenübersaß,
vielleicht 30, Schnauzbart, richtiger Prolltyp, der sich für den Geilsten
hält und jede freie Minute, die er
nicht bei seiner blöden Kuh zu Hause verbringt, Bodybuilding macht.
Ich ignorierte ihn und sah so gut es ging aus dem Fenster. Er hatte
offensichtlich Langeweile, denn er versuchte mehrfach, durch Beleidigungen
meine Aufmerksamkeit
auf sich zu ziehen. Dann versuchte er eine neue Taktik indem er sagte
: "Wenn ich in deiner Lage wäre, würde ich jetzt gerne eine rauchen.",
dann spielte er mit einer
Schachtel West, nahm eine raus und klebte sie mir gegen die Stirn,
wo sie durch das Blut gut haftete. Den Typen würde ich mir schnappen,
irgendwann, vielleicht auf
einer Demo oder so, der war echt ein mieses Schwein. Er schien zu sehen,
dass ich kochte, lachte lauthals und stellte eine weitere unangenehme Eigenschaft
von sich
zur Schau: er hatte ekelhaften Mundgeruch.
Nach weniger als einer halben Stunde Fahrtzeit erreichten wir die Wache,
mit routinierter Brutalität wurde ich aus dem Wagen in das Gebäude
gezerrt und durfte in
Büro Nr. 238 ein Feuerwerk interessanter Fragen beantworten, Name,
Beruf, Alter und so was. Ich kam mir vor wie bei Ilona Christen, wenigstens
glaube ich, dass sie auch nicht besser mit der Schreibmaschine umgeht,
als Polizeimeister Schmidthoffman, ein alter Bulle, der wohl nichts auf
der Welt mehr hasst, als seinen scheiß Job und die Menschen sowieso.
Seine müden Augen klebten auf mir, als er mal wieder das Papier aus
der Maschine riss, zerknüllte und zielsicher neben den Mülleimer
warf. Scheiß Spiel, statt dass er die bisherigen Antworten einfach
abschreibt, aber nee, ich darf mal wieder damit anfangen, wie ich heiße
...
Beim zweiten oder dritten Versuch fing ich spaßenshalber damit
an, ihm irgendwelchen Quatsch zu erzählen, dass ich Bert Brecht heiße
und 36 Jahre alt bin und so, als
er merkte, dass ich ihn verarsche, beugte er sich vor und versetzte
mir eine Ohrfeige, die es klingeln lies. Ich riss mich also zusammen und
sagte zum 14ten mal meine
Daten auf, in der Hoffnung, noch vorm Beginn der Spätabendschau
mit diesem alten Scheißbullen fertig zu sein. Ein genervt wirkender
Inspektor Lambert holte mich
bevor wir die Formalitäten beendet hatten zur Aussage in ein anders
Büro, wo ich dann erzählen durfte was ich bisher so an Verurteilungen
hinter mir hatte. So viel war
das auch nicht, aber was sein Computer über mich wusste, ließ
mich wohl ziemlich geschockt aussehen, denn ein feistes Grinsen machte
sich auf seinem Gesicht breit.
Er lehnte sich zurück, verschränkte die Arme hinter seinem
Kopf und fing an: "So mein Lieber, sie sind schon öfter auffällig
geworden. Im Herbst `92 warfen sie einen
zur Hälfte aufgegessenen Apfel an den Helm eines Beamten der Einheit
12, der Verhaftung entzogen sie sich, indem sie wie ein Hase geflüchtet
sind. Mai `93, große
Demo in Kreuzberg: Beamtenbeleidigung mit Handgemenge, in dessen Verlauf
Sie einem erst 24jährigen Hilfspolizisten eine leere Weinbrandflasche
gegen den Schädel
geschlagen haben, wieder konnten Sie fliehen, aber heute wird Ihnen
keine Flucht gelingen, und wenn ich Ihnen die Beine brechen muss."
"Ich glaube, das würde ihnen Spaß machen, darf ich jetzt
gehen?"
"Haben sie was am Kopf? Der Spaß fängt erst an! Sie haben
einige Fragen noch nicht beantwortet, ihre Gewaltbereitschaft ist aktenkundig
und Kollege Müller will sich
noch mit ihnen über seine eingetretenen Eier unterhalten. Sie
sind eine Zeitbombe und nun haben sie sich mit einer Terrorgruppe zusammengeschlossen,
um den Staat
endgültig in Schutt und Asche zu legen, richtig?"
Keine schlechte Idee, dachte ich mir, merkte dann, dass er von mir
eine Antwort auf seine verrückte Geschichte verlangte und meinte:
"Hören Sie, ich halte es ja für
wichtig, dass unsere Beamten Fantasie haben, aber das was Sie mir hier
unterjubeln wollen ist Mist. Ich habe Ihnen und auch dem anderen Herrn
schon gesagt, dass es
sich bei der Terrorgruppe um eine Punkband handelt, deren schlimmste
Waffe Ihr Mundgeruch ist. Von Körperpflege halten solche Rocker nicht
allzu viel. Und Mutti
ist ihr Manager, hat wirklich nichts mit meiner Mutter zu tun, nicht
dass sie jetzt bei ihr anrufen müssen, oder so."
"Zu Spät, wir haben alles nötige veranlasst, damit die Sache
nicht eskaliert und schnellstmöglich aufgeklärt wird. Möchten
Sie eine Zigarette? Ich gebe Ihnen eine, wenn
sie wollen." "Gerne, ich hab schon so lange auf eine menschliche Reaktion
gewartet!"
Er nahm eine Camel aus seiner Schachtel und steckte sie mir zwischen
die Lippen, gab mir Feuer und ich inhalierte tief. Die Handschellen hielten
meine Hände auf dem
Rücken, so dass ich die Zigarette nicht selber ablegen konnte,
so tat es der nette Mensch und schaute mich an, wie einen Sohn, den man
mit einem Pornoheft auf der
Toilette erwischt hat. Einerseits ist das normal, irgendwie peinlich
und man ist sauer, dass der Junge dazu ausgerechnet Papas Magazin hat und
dabei Mamas
Unterwäsche trägt.
Schweigend ließ er mich rauchen und half mir gelegentlich mit
der Asche. Nachdem ich fertig war, begann ich noch mal alles so zu erklären
wie es sich zugetragen
hatte, er nickte gelegentlich, machte sich Notizen und hörte ansonsten
nur zu, ich hatte nicht den Eindruck ihn überzeugt zu haben, konnte
aber auch sonst keine
Reaktion auf seinem Gesicht ablesen.
Nachdem ich geendet hatte, ließ er mich alleine, um ein paar
Fakten zu überprüfen. Meine linke Hand befreite er, machte die
Schelle am Heizkörper fest und ließ mir 5
Kippen, einen halben Becher Kaffee und zwei Bountyriegel zur Stärkung
zurück. Er schien mich wirklich nicht für einen Schwerverbrecher
zu halten.
Nach 40 Minuten kam er wieder, legte mir noch drei Zigaretten hin, reichte
mir eine Dose Fanta und begnügte sich damit, mich fünf Minuten
lang anzuschauen.
"Ich habe mich über die Terrorgruppe informiert. Über Geschmack
kann man streiten, auch sonst hat die Recherche nicht allzu viel ergeben,
außer dass Sie sich mal
aufgrund ihrer Sexualität von einem Spezialisten untersuchen lassen
sollten. "Was er mir damit sagen wollte, sollte mir erst später klar
werden, ich fragte auch nicht
weiter nach und hoffte, diesen Alptraum bald hinter mir zu haben.
"Schließlich möchte ich Sie bitten, diese Papiere zu unterschreiben,
reine Formsache, dass Sie gut behandelt wurden, sich zur Verfügung
halten und dass Sie die
angewandten Maßnahmen billigen und keine Ansprüche an den
Polizeipräsidenten oder das Land Berlin stellen werden. Bleiben Sie
ruhig, es gilt jetzt Ihre Situation zu
erleichtern, nicht mit den Muskeln zu spielen, wir haben zur Not immer
noch ein Ass im Ärmel, Drogen, Waffen, wir sind auch nur Menschen
und wollen ihre Zukunft
nicht unnötig versauen. Unterschreiben sie!"
Die letzten Worte waren mehr ein Befehl und was soll’s, ich hab ein
bisschen was aufs Maul bekommen, meine Lieblingsjacke ist kaputt und auf
Arbeit bin ich fürs
nächste Jahr Gesprächsthema Nummer 1, das ist alles zu überleben,
außerdem war ich müde und wollte einfach nur schlafen und meine
Terrorgruppen - CD’s
vernichten.
Ich unterschrieb alles, was er mir vorlegte ohne genauer
hinzusehen, scheißegal, wir hatten in der Familie einen recht guten
Anwalt und wenn der nicht
weiterwusste konnte er uns sagen, an wen wir uns wenden sollen. Nachdem
ich auf der Toilette war, verließ ich die Wache und machte mich auf
den Weg zur Arbeit.
Es regnete noch immer und ohne mein Auto fühlte ich mich wie ein
Blinder ohne seinen Rollstuhl. Der nächste Bulle, der die Toilette
besucht, würde seine helle Freude
daran haben, ich hatte auf den Boden geschissen und mit der Seife aus
dem Haufen das Wort "NAZIS" geschrieben . Jeder kämpft mit seinen
Waffen und ich brauchte
fürs erste eine kleine Rache. Der letzte Bulle gab mir den Rest
seiner Kippen, diesen hatte ich mit der Klomessage nicht gemeint. Wie immer
wenn mir danach war,
fing ich an zu singen:" Barfuss oder Lackschuh, alles oder nichts,
werd ich gleich erschossen oder komm ich vor Gericht, Barfuss oder Lackschuh,
ich hasse diese Welt,
ich hasse alle Bullen, alle Menschen, euer Geld." Der Regen wusch mir
einen Teil des Blutes aus dem Gesicht und einige Passanten sahen mich an,
als ob ich aus einem
Horrorfilm der Splatterklasse ausgebrochen sei, ich war aber nicht
in der Stimmung mich über ihre entsetzten Visagen freuen zu können.
Mein Auto erreichte ich, nachdem ich ca. eine Stunde durch den Regen
lief, der Parkplatz war bis auf meinen Wagen leer und unter dem Scheibenwischer
war eine
Nachricht in einer Plastiktüte, so dass ich den Zettel lesen konnte:
Fick den Staat! Ruf mal an, Countryboy ! PS: War ja `ne geile Action, ich
hoffe du lebst noch und wir trinken heute oder morgen noch ein Bier.
Na ja, wenigstens einer der`s gut mit einem meint. Ich öffnete
die Tür, stieg ein und setzte mich auf einen schmatzenden Sitz, das
Wasser durchtränkte meine Hose bis
zum Gürtel und meine Füße standen knöcheltief
im Wasser. Wenigstens sprang der Wagen relativ schnell an und brachte mich
gut nach Hause.
Im Briefkasten lag neben einiger Werbung und zwei Rechnungen noch ein
Brief, den ich nicht gleich in den Reklamemülleimer des Hauses warf.
Überbracht durch
Boten, stand neben dem Logo meiner Firma, ist ja interessant, im nach
oben laufen öffnete ich den Brief und las: > Betreff des Vorfalls
im Logistikbereich vom 16 . 7.
99, aufgrund der Ereignisse, bei denen Sie unter anderem verhaftet
wurden, sehen wir uns gezwungen, Ihnen die Kündigung auszusprechen.
Der Betriebsrat hat den
Beschluss befürwortet und wir halten es nicht für nötig,
dass Sie unsere Firma nochmals aufsuchen. Ihre Papiere und Ihre Privatkleidung
werden Ihnen in den nächsten
Tagen zugeschickt. Ihr Gehalt wird bis zum 31.8.99 weitergezahlt, Sie
sind ab dem heutigen Tag von der Arbeit beurlaubt. Ihnen wird hiermit Hausverbot
erteilt, Sie
dürfen das Firmengelände nicht mehr betreten. Wir wünschen
Ihnen für die Zukunft alles Gute, mit freundlichem Gruß, Richard
Krutz. <
Auch wenn ich an diesem Tag einiges einstecken musste, so traf mich
dieser Brief doch am härtesten. Oben angekommen merkte ich, dass die
Tür schon offen war.
An die Tür war die Hausdurchsuchungsurkunde geklebt und im Flur
hätte ich schreiend zusammenbrechen können. Überall lagen
Kleidungsstücke, Gebrauchsgegenstände und Lebensmittel auf dem
Boden. Die Wohnung hätte schlimmer nicht aussehen können, jede
Schublade war aus den Schränken gerissen
worden und auch der Tiefkühlschrank war geleert und dessen Inhalt
auf dem Teppich in der ganzen Wohnung verteilt. Ich hatte noch 14 Dosen
Bier gehabt, die leider
über meinem Bett entleert worden waren. Vermutlich dachte man,
dass ich darin automatische Waffen oder Fluchtfahrzeuge versteckt hatte.
Was soll’s, dachte ich mir, und ging zu meiner Nachbarin, einer netten
alten Frau, für die ich öfters einkaufte, und mit der ich öfters
mal redete oder ihr im Haushalt half,
wenn etwas kaputt war oder sie einfach etwas Gesellschaft brauchte.
Ich lies das Chaos zurück und steckte mir eine Zigarette an, dann
atmete ich tief durch, klingelte
sie rücksichtslos aus dem Bett und borgte mir dort eine Kiste
Bier.
" Ich wurde über Sie befragt, aber eigentlich wollten sie nur
hören, dass Sie ein Verbrecher sind, Ich hab nur Positives berichtet,
aber man hat mich nicht in Ihre
Wohnung gelassen, das war ganz schön schlimm, ich hab mir das
mal angesehen nachdem sie wieder weg waren, die haben wirklich ganze Arbeit
geleistet."
Ich konnte nicht mehr. Ich lehnte mich an die Wand und fing an zu weinen,
was sie dazu nötigte, meine Hand zu tätscheln und mich in ihr
Wohnzimmer zu bringen.
Dann ging sie in die Küche und machte Kaffee, welcher schon vorbereitet
gewesen sein musste, denn sie kam nach wenigen Minuten zurück, kippte
mir noch zusätzlich
Rum in die Tasse und machte ein nettes Gesicht.
"Ich denke, das Schlimmste haben Sie überstanden, wenn Sie wollen
können Sie hier auf der Couch schlafen, Ihr Bett ist ja momentan nicht
sehr gemütlich."
Dankend lehnte ich ab, trank den Kaffee aus, nahm das Bier und verabschiedete
mich. Ich musste erst mal ein bisschen Ordnung schaffen und mich waschen.
Im Bad
merkte ich, dass einer geschissen hatte und es nicht für nötig
gehalten hatte zu spülen.
Na ja, wenigstens hat er nicht in die Wanne gekackt.
Im Wohnzimmer lagen ordentlich auf einem Stapel meine Erotikmagazine
und ich fragte mich, ob die Typen einen stehen hatten, als sie sich mit
der Lektüre beschäftigten. Aber eigentlich war es mir auch egal.
Die Uhr zeigte mittlerweile 3.07 Uhr, trotzdem musste ich mit jemandem
reden und rief meine Eltern an. Für diese Uhrzeit war meine Mutter
ziemlich schnell am Apparat und fing nach meiner Begrüßung auch
gleich an: "Na du hast vielleicht Mut hier anzurufen! Heute hatten wir
mal was ganz neues erlebt, gegen 15 Uhr wurde unsere Tür von der Polizei
aufgebrochen und wir wurden wie Schwerverbrecher in Handschellen zur Wache
gebracht, wo wir lauter blöde Fragen beantworten durften! Mir war
ja gleich klar, wem wir das zu verdanken haben. Schönen Dank auch!"
"Ich hatte auch einen beschissenen Tag, trotzdem sollten wir vielleicht
..."
"Wir sollten gar nichts! Du kannst dir nicht vorstellen wie peinlich
es war, verhaftet zu werden, das ganze Haus hat aus den Fenstern geguckt
und der alte Herr Limorg
hat das Ganze auch noch auf Video aufgenommen, super nicht war? Wir
haben jedenfalls die Schnauze gestrichen voll von Dir und deinen Eskapaden.
Mach Dein Ding,
aber lass uns in Ruhe, wir wollen jedenfalls dieses Jahr nichts mehr
von Dir hören oder sehen, der Rest der Familie übrigens auch
nicht!"
Dann legte sie auf und ich fragte mich, warum ich so eine Reaktion
nicht erwartet hatte, dachte ich wirklich, mich an so einem Tag noch auf
irgend jemanden verlassen
zu können? Ich war wirklich ein hoffnungsloser Optimist. Das einzige,
was ich jetzt noch machen konnte war, mir ein Bier aufzumachen und eine
zu rauchen. Mein
Blick fiel auf die Erotiklektüre, zum onanieren fehlte mir in
diesem Moment jedoch die Lust und ich fegte sie mit dem Fuß vom Tisch,
um dort Platz für das Bier und den
Ascher zu machen. Dann rief ich Countryboy an, der ging jedoch nicht
ans Telefon und ich glaube, wenn ich jetzt eine Waffe gehabt hätte
würde ich sie mir ganz
unspektakulär in den Mund stecken und mich in eine neue Existenz
schießen.
Meine Stereoanlage lag auf dem Boden und machte nicht den Eindruck
noch sehr nützlich zu sein. Die CD’s lagen auf einem großen
Haufen, die meisten waren aus
den Hüllen genommen, zerbrochen oder fehlten ganz. Die haben hier
echt eine Superparty veranstaltet, ich hab wohl doch den falschen Beruf
gelernt.
Ein paar Minuten später hörte ich Geräusche und wenig
später stand Matthias in der Tür, ein alter Freund, der sich
ein Bier nahm und meiner Geschichte lauschte. Auf
seinem Gesicht las ich sämtliche Reaktionen, von amüsiert
sein über Bestürzung bis Desinteresse.
Nachdem ich fertig war, sagte er, dass auch er einen Scheißtag
hatte, seine Freundin hätte nicht mit ihm schlafen wollen und auf
Arbeit hat er auch nur 20 Mark
Trinkgeld bekommen, er ist Masseur und macht schließlich jeden
Tag mindestens 50 Mark steuerfrei.
Nun war ich an der Reihe entsetzt zu sein, ich hatte den schlimmsten
Tag meines Lebens und er langweilt mich mit so einer scheiß Geschichte?!
Ich schlug ihm die Brille von der Nase und er hatte auch noch die Dreistigkeit
sich zu wehren. Ich kannte ja seinen Jähzorn und eh ich wusste was
Sache ist, rollten wir
durchs Wohnzimmer und schlugen aufeinander ein. Meine Tagesform war
nicht mehr so gut und mit einem Tritt gegen meine lädierte Augenbraue
entschied sich der
Kampf zu seinen Gunsten. Wir saßen noch ein Weilchen zusammen,
tranken Bier und bestellten telefonisch weiteres Bier und zwei Pizzen,
redeten über Star Wars
Episode 1 und wie schlecht der Film doch geworden ist.
"Als hätte man einen Japaner, der die anderen Episoden nicht kennt
beauftragt, den Film zu machen. Hauptsache man kann danach ein paar Spielzeuge
und Bettwäsche
zum Film verkaufen." war meine Meinung, worauf Matthias meinte "Jeder
Teil der Teletubbies hat mehr mit der alten Trilogie zu tun, als dieser
Scheiß, wen interessiert
ein 5jähriger, der mit seinem Rucksack durch die Wüste rennt!
Und Jar Jar Binks ist ja wohl das Schlimmste seit dem 2. Weltkrieg."
Da waren wir uns wieder einig. Nachdem wir gegessen hatten, machte
sich Matthias aus dem Staub, er wollte noch zu einer Party. Mich zu fragen
ob ich mitwollte,
hielt er nicht für nötig. Wir trennten uns und ich blieb
mit einem eigenartigen Gefühl im Bauch zurück. Das war also mein
bester Freund, ein ziemliches Armutszeugnis.
Scheiß Leben. Nachdem ich mir noch ein Bier öffnete und
eine Zigarette ansteckte, machte ich es mir auf dem Teppich gemütlich,
um ein bisschen zu schlafen. Das
war echt ein verrückter Tag gewesen und alles nur, weil ich mir
eine CD kaufen wollte, die neue von der Terrorgruppe.
RECKE